Geburtsvorbereitungskurs online: der große Guide für werdende Mamas
Irgendwann zwischen der 20. und der 30. Woche taucht der Satz auf. Meistens kommt er von der Frauenärztin, manchmal von einer Freundin: „Hast du dich schon für einen Kurs angemeldet?“ Und dann sitzt du abends am Handy, rufst drei Hebammenpraxen an und hörst dreimal dasselbe. Ausgebucht. Genau an diesem Punkt landen die meisten Frauen bei der Frage, ob ein Geburtsvorbereitungskurs online das Gleiche leisten kann wie ein Kurs im Stuhlkreis.
Ich habe für diese Seite die bekanntesten Online-Kurse im deutschsprachigen Raum durchgesehen, ihre Konzepte verglichen und aufgeschrieben, für wen welcher taugt. Was du hier bekommst: eine Einordnung, was so ein Kurs überhaupt leistet, wann du starten solltest, was die Krankenkasse in Deutschland, Österreich und der Schweiz dazugibt, und drei konkrete Empfehlungen mit dem, was mir jeweils nicht daran gefällt.

Was ist ein Geburtsvorbereitungskurs online?
Ein Geburtsvorbereitungskurs online ist ein Videokurs, der die Inhalte eines klassischen Hebammenkurses vermittelt: Geburtsphasen, Wehenarbeit, Atmung, Gebärpositionen, Schmerzverarbeitung, Kaiserschnitt, Wochenbett und Stillen. Du schaust die Einheiten in eigenem Tempo, so oft du willst, ohne feste Termine. Dein Partner kann jederzeit dazukommen.
Der Unterschied zum Präsenzkurs liegt nicht beim Wissen, sondern beim Rahmen. Im Stuhlkreis übst du Atmung unter Anleitung, jemand korrigiert deine Haltung im Vierfüßlerstand, und du merkst, dass die Frau neben dir dieselben Sorgen hat wie du. Vor dem Laptop fällt das weg. Dafür kannst du die Einheit über Geburtspositionen dreimal ansehen, ohne dass es jemandem auffällt.
Was lernst du in einem Geburtsvorbereitungskurs?
Bevor du Anbieter vergleichst, hilft ein Blick darauf, was überhaupt drinstehen sollte. Ein vollständiger Kurs deckt sechs Bereiche ab.
Der Ablauf der Geburt
Die Geburt läuft in vier Phasen ab, und zu wissen, in welcher du gerade steckst, verändert das Erleben enorm. Die Eröffnungsphase ist die längste, oft acht bis zwölf Stunden beim ersten Kind. Der Muttermund öffnet sich auf zehn Zentimeter, die Wehen kommen anfangs alle zehn Minuten und rücken langsam zusammen. Dann folgt die Übergangsphase, kurz und intensiv, der Moment, in dem viele Frauen sagen, dass sie nicht mehr können. Genau dann sind sie fast durch. In der Austreibungsphase schiebst du aktiv mit, meist eine halbe bis anderthalb Stunden. Die Nachgeburtsphase mit der Geburt der Plazenta bekommen die meisten Frauen kaum noch mit, weil das Baby bereits auf ihnen liegt.
Ein guter Kurs erklärt dir außerdem, was Ärztinnen und Hebammen unter einem normalen Verlauf verstehen und ab wann sie eingreifen. Das nimmt der Situation den Schrecken, wenn im Kreißsaal plötzlich Begriffe fallen, die du noch nie gehört hast.
Wehen, Atmung und Schmerzverarbeitung
Wehen lassen sich nicht wegatmen, aber sie lassen sich mit der Atmung anders erleben. Es geht um lange Ausatmung, um Töne statt Pressen, um Pausen zwischen den Wehen, die du wirklich als Pause nutzt. Dazu kommen Wärme, Bewegung, Wasser, Massage vom Partner. Ein Kurs, der nur Atemtechniken zeigt und die medizinischen Möglichkeiten auslässt, ist unvollständig. Du solltest wissen, was eine PDA leistet, was sie kostet an Beweglichkeit, was Lachgas kann und wann welche Option überhaupt noch möglich ist.
Geburtspositionen
Rückenlage ist bequem für das Personal und ungünstig für dich, weil das Becken dabei am wenigsten Platz bietet. Vierfüßlerstand, Seitenlage, Hocke, Stehen am Bett, Gebärhocker: Jede Position hat ihren Moment. Im Videokurs siehst du sie, im Präsenzkurs übst du sie. Beides zusammen ist ideal, aber selbst nur zusehen ist besser, als im Kreißsaal zum ersten Mal davon zu hören.
Der Partner und seine Rolle
Männer sitzen im Kreißsaal oft hilflos daneben, weil niemand ihnen gesagt hat, was ihre Aufgabe ist. Sie ist konkret: Getränke anreichen, den Kreuzbeinbereich drücken, mit dir atmen, für Ruhe im Raum sorgen, deine Wünsche weitergeben, wenn du gerade nicht sprechen kannst. Ein Kurs, der ihn ernst nimmt, ist mehr wert als einer, der ihn nur duldet.
Kaiserschnitt und Interventionen
Auch wenn du eine vaginale Geburt planst, gehört der Kaiserschnitt in die Vorbereitung. Ebenso Dammschnitt, Saugglocke, Einleitung und die Frage, wobei du mitentscheiden darfst. Wer diese Möglichkeiten kennt, erlebt sie im Fall der Fälle nicht als Kontrollverlust, sondern als Weg, der vorher schon auf der Karte eingezeichnet war.
Wochenbett und Stillen
Der Teil, den fast alle unterschätzen, weil die Geburt so groß im Kopf steht. Nachwehen, Wundheilung, der Milcheinschuss am dritten Tag, das Stimmungstief, das mit ihm kommt, Anlegen, wunde Brustwarzen, Schlafmangel. Wenn ein Kurs hier großzügig ist, zahlt sich das später mehr aus als jede Atemtechnik.
Ab wann solltest du mit dem Kurs beginnen?
Die meisten Kurse starten zwischen der 25. und der 30. Schwangerschaftswoche. So bist du etwa vier bis sechs Wochen vor dem Termin durch und hast noch Zeit, das Gelernte zu üben. Bei Zwillingen oder einem geplanten Kaiserschnitt lohnt sich ein Start ab der 20. Woche.
Online gilt diese Empfehlung nur eingeschränkt, und das ist der unterschätzte Vorteil. Ein Präsenzkurs läuft über sieben Wochen, du musst dich also ein Vierteljahr vorher anmelden. Ein Videokurs ist nach dem Kauf sofort da. Ich habe Frauen gelesen, die in der 37. Woche angefangen und die wichtigsten Einheiten an einem verregneten Wochenende durchgeschaut haben. Das ist nicht ideal, aber es ist unendlich viel besser als gar nichts.
Zu früh gibt es kaum. Wenn du in der 18. Woche anfängst, wirst du manches vergessen haben. Kein Problem, du kannst es vor dem Termin einfach noch einmal ansehen, und genau darin liegt der Sinn eines Kurses, der dir dauerhaft gehört.
Online oder vor Ort? Die ehrliche Gegenüberstellung
Ich halte die Frage für falsch gestellt. Es geht selten um entweder oder, sondern darum, was in deiner Situation überhaupt machbar ist.
Dafür ist der Präsenzkurs unschlagbar
- Eine Hebamme sieht, ob du richtig atmest
- Du kannst Zwischenfragen stellen, auch die peinlichen
- Andere Schwangere, die gerade dasselbe durchmachen
- Oft lernst du die Klinik oder das Geburtshaus kennen
- Die gesetzliche Kasse zahlt ihn in Deutschland
Dafür ist der Online-Kurs unschlagbar
- Sofort verfügbar, auch wenn alles ausgebucht ist
- Keine Anfahrt, keine Betreuung fürs erste Kind nötig
- Wiederholbar, auch nachts um halb vier
- Dein Partner sieht sich an, was ihn interessiert
- Deutlich günstiger, wenn du selbst zahlen musst
Wenn du einen Platz im Präsenzkurs bekommst, nimm ihn. Wenn nicht, ist ein guter Videokurs kein Notnagel, sondern eine vollwertige Vorbereitung. Und wenn du beides kombinieren kannst, hast du das Beste erwischt: den Stuhlkreis für das Gefühl, den Videokurs zum Nachschlagen im Wochenbett, wenn plötzlich Fragen zum Stillen auftauchen.
Was kostet ein Geburtsvorbereitungskurs online, und was zahlt die Kasse?
Die Preisspanne ist groß. Kompakte Kurse liegen im niedrigen zweistelligen Bereich, ausführliche Hebammenkurse zwischen 70 und 120 Euro, spezialisierte Programme darüber. Zum Vergleich: Ein Präsenzkurs kostet in Deutschland rund 150 bis 200 Euro, die du als gesetzlich Versicherte aber nicht selbst trägst.
Deutschland
Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen für Versicherte einen Geburtsvorbereitungskurs bei einer Hebamme im Umfang von 14 Stunden. Der Anteil des Partners wird in der Regel nicht bezahlt, dafür fallen meist 50 bis 80 Euro an. Bei reinen Videokursen privater Anbieter ist die Sache heikler: Sie sind keine Regelleistung. Manche Kassen erstatten trotzdem auf Kulanz, wenn eine Hebamme den Kurs anbietet und eine Teilnahmebestätigung ausstellt. Ein Anspruch besteht nicht. Frag vor dem Kauf bei deiner Kasse nach und lass dir die Antwort schriftlich geben.
Österreich
Eine bundesweite Regelleistung wie in Deutschland gibt es nicht. Der Mutter-Kind-Pass deckt Untersuchungen ab, keine Kurse. Einzelne Krankenkassen und Bundesländer geben Zuschüsse, oft im Rahmen von Gesundheitsförderungsprogrammen, teilweise auch über die Arbeiterkammer. Die Höhe schwankt stark. Ein Anruf bei deiner Kasse lohnt sich, weil die Programme selten prominent beworben werden.
Schweiz
Die Grundversicherung beteiligt sich mit einem Pauschalbeitrag von 150 Franken an einem Geburtsvorbereitungskurs, der in der Gruppe und von einer Hebamme geleitet wird. Reine Selbstlernkurse aus dem Internet fallen nicht darunter. Wenn du im Spital oder bei einer Hebammenpraxis einen Kurs belegst, reichst du die Rechnung ein und bekommst den Beitrag zurück, ohne Anrechnung auf die Franchise.
Was in allen drei Ländern gilt: Ein Videokurs für 20 bis 100 Euro ist auch dann keine schlechte Investition, wenn niemand etwas dazugibt. Es ist der Betrag, den viele für zwei Babystrampler ausgeben.
Woran du einen guten Online-Kurs erkennst
Die Verkaufsseiten sehen alle ähnlich aus. Sieben Punkte, auf die ich achte, bevor ich einen Kurs überhaupt in Betracht ziehe:
- Wer spricht?Eine Hebamme, eine Ärztin, eine Physiotherapeutin: Die Qualifikation muss auf der Seite stehen, samt Berufsjahren. Wenn nur von „Expertinnen“ die Rede ist, ohne dass jemand mit Namen und Beruf greifbar wird, lass die Finger davon.
- Wie alt sind die Inhalte?Geburtshilfe verändert sich. Empfehlungen zum späten Abnabeln, zum Bonding, zur Einleitung sind heute andere als vor zehn Jahren. Ein Kurs, der seit Jahren unverändert läuft, kann trotzdem gut sein, aber frag im Zweifel beim Anbieter nach dem letzten Update.
- Ist der Kurs vollständig oder eine Ergänzung?Seriöse Anbieter schreiben das dazu. Drei Stunden Video ersetzen keinen 14-Stunden-Kurs, und ein ehrlicher Anbieter behauptet das auch nicht.
- Wie lange hast du Zugriff?Dauerhaft ist besser als sechs Monate, weil die Wochenbett-Einheiten erst nach der Geburt relevant werden.
- Gibt es einen Praxisanteil?Reine Theorie reicht nicht. Du brauchst Übungen zum Mitmachen: Atmung, Positionen, Beckenbodenwahrnehmung, gerne auch Schwangerschaftsyoga.
- Kann der Partner mit?Bei fast allen Videokursen ja, ohne Aufpreis. Das ist einer der klaren Vorteile gegenüber dem Präsenzkurs, wo sein Anteil oft extra kostet.
- Wie sind die Rückgabebedingungen?Bei digitalen Produkten mit sofortigem Zugriff erlischt das Widerrufsrecht in der Regel mit dem Kauf. Manche Anbieter geben freiwillig eine Geld-zurück-Garantie. Steht davon nichts auf der Seite, gehe davon aus, dass es keine gibt.
Die drei häufigsten Fehler bei der Geburtsvorbereitung
Zu spät anfangen und dann alles auf einmal. Wer in der 38. Woche vier Stunden Video am Stück schaut, behält wenig und wird eher nervös als ruhig. Besser wenig und regelmäßig, mit Pausen dazwischen.
Nur lesen statt üben. Foren, Reels, Ratgeber, davon gibt es unendlich viel, und das Gefühl von Vorbereitung stellt sich schnell ein. Dein Körper lernt davon nichts. Zehn Minuten bewusste Ausatmung im Vierfüßlerstand bringen mehr als zwei Stunden Recherche.
Sich auf einen einzigen Verlauf festlegen. Ein Geburtsplan ist sinnvoll, aber als Wunschliste, nicht als Vertrag. Frauen, die sich fest auf eine Geburt ohne Schmerzmittel eingeschworen haben und dann eine PDA brauchen, tragen daran manchmal Monate. Bereite dich auf mehrere Wege vor, dann ist keiner davon eine Niederlage.
Diese drei Online-Kurse habe ich mir angesehen
Es gibt Dutzende Anbieter. Ich stelle drei vor, weil eine Liste mit fünfzehn Kursen niemandem hilft. Die drei decken drei unterschiedliche Situationen ab, und zu jedem schreibe ich dazu, was mir nicht gefällt.

Geburtsvorbereitung mit Hebamme Nadine Beermann
Für dich, wenn du einen vollständigen Kurs willst, der einen Präsenzkurs inhaltlich ersetzen kann.
- Von einer Hebamme mit eigener Praxis und über 15 Jahren Berufserfahrung
- Über 20 Videoeinheiten mit Theorie und praktischen Übungen
- Auf Wunsch eine Teilnahmebestätigung für die Krankenkasse
Mein Aber: Die Teilnahmebestätigung ist keine Zusage deiner Kasse. Kläre die Erstattung vorher, sonst zahlst du den Kurs selbst. Und Rückfragen an Nadine kannst du in einem Videokurs naturgemäß nicht stellen.
Geburtsvorbereitung von mami first
Für dich, wenn es dein zweites Kind ist oder du eine Ergänzung zum Präsenzkurs suchst.
- Drei Module von einer Hebamme, einer Heilpraktikerin und einer Yogalehrerin
- Rund 21 Videos, kompakt gehalten statt ausufernd
- Enthält eine Einheit Schwangerschaftsyoga
Mein Aber: Der Kurs ist bewusst schlank. Wenn du zum ersten Mal schwanger bist und sonst nichts belegst, bleiben Fragen offen. Als alleinige Vorbereitung auf die erste Geburt würde ich ihn nicht wählen.
Kaiserschnitt-Vorbereitung von Bauchgeburt
Für dich, wenn ein Kaiserschnitt geplant ist oder im Raum steht.
- Drei Module mit über 40 Lektionen, ausschließlich zum Kaiserschnitt
- Checklisten, Leitfäden und Audio-Meditationen für die Tage davor
- Entstanden mit Fachleuten aus Geburtshilfe, Physiotherapie und Psychologie
Mein Aber: Die Gründerin ist psychologische Beraterin, keine Hebamme, und der Kurs versteht sich ausdrücklich als mentale Stärkung, nicht als medizinische Aufklärung. Weil du sofort vollen Zugriff bekommst, ist ein Widerruf ausgeschlossen. Überlege dir den Kauf also einmal mehr als sonst.
Kaiserschnitt: warum ein normaler Kurs hier nicht reicht
Etwa jedes dritte Kind in Deutschland kommt per Kaiserschnitt zur Welt, in Österreich und der Schweiz liegen die Zahlen ähnlich hoch. Trotzdem behandeln viele Geburtsvorbereitungskurse das Thema in einer halben Stunde, meist unter der Überschrift „falls es nicht anders geht“. Für eine Frau mit geplantem Kaiserschnitt ist das eine seltsame Erfahrung: Sie sitzt sieben Abende im Kurs und übt Atemtechniken für Wehen, die sie nie haben wird.

Was du bei einem geplanten Kaiserschnitt stattdessen brauchst: den Ablauf im OP, damit dich nichts überrumpelt, Wissen über die Spinalanästhesie und darüber, was du davon spürst, die Frage, wer das Baby zuerst hält, Stillen mit frischer Narbe, Aufstehen am ersten Tag, Narbenpflege und die Heilung über Wochen. Das sind andere Themen als Wehenarbeit, und sie brauchen eigenen Raum.
Deshalb führe ich den Kaiserschnitt auf dieser Seite als eigenständiges Thema und nicht als Fußnote. Wenn ein Kaiserschnitt bei dir feststeht, ist ein spezialisierter Kurs sinnvoller als der vierte allgemeine Ratgeber. Bleibt eine vaginale Geburt weiterhin möglich, brauchst du beides, denn beide Wege sollten dich vorbereitet antreffen.
Welcher Kurs passt zu dir?
Vier Situationen, in denen ich unterschiedlich entscheiden würde:
- Erstes Kind, kein PräsenzplatzNimm den ausführlichsten Kurs, den du bekommst. Der Hebammenkurs von Nadine Beermann ist hier die naheliegende Wahl, weil er als kompletter Ersatz konzipiert ist und nicht als Ergänzung.
- Zweites oder drittes KindDu kennst die Basics und brauchst eher eine Auffrischung als ein Studium. Ein kompakter Kurs wie der von mami first reicht meistens, kostet wenig und lässt sich an einem Abend durchziehen.
- Geplanter KaiserschnittEin spezialisierter Kurs schlägt jeden allgemeinen. Ergänze ihn mit einem Gespräch in deiner Klinik, denn Abläufe unterscheiden sich von Haus zu Haus.
- Große Angst vor der GeburtHier hilft Wissen nur zur Hälfte. Ein Kurs mit Entspannungs- und Atemanteil ist ein guter Anfang, aber sprich zusätzlich mit deiner Hebamme oder Ärztin. Ausgeprägte Geburtsangst ist behandelbar, und niemand erwartet von dir, dass du sie alleine wegliest.
Wenn du dich nicht entscheiden kannst
Für den Fall, dass du zum ersten Mal Mama wirst und dir einfach jemand sagen soll, was du nehmen sollst: der Hebammenkurs von Nadine Beermann. Vollständig, von einer Frau, die den Beruf seit über 15 Jahren ausübt, und du kannst ihn im Wochenbett weiter nutzen.
So holst du mehr aus deinem Kurs heraus
Ein gekaufter Kurs, der ungesehen im Mitgliederbereich liegt, hilft niemandem. Was in der Praxis funktioniert:
- Feste Zeit einplanenZwei Abende pro Woche, eine halbe Stunde. Im Kalender eintragen wie einen Termin, sonst passiert es nicht.
- Den Partner einbindenNicht alles gemeinsam, das wird zäh. Aber die Einheiten zu Wehenarbeit, Geburtspositionen und Kaiserschnitt sollte er kennen. Er ist im Kreißsaal derjenige, der reden kann, wenn du gerade nicht willst.
- MitschreibenDrei Sätze pro Einheit, in einem Heft oder im Handy. Was du selbst formulierst, bleibt hängen. Und du hast unter der Geburt etwas zum Nachschlagen.
- Übungen wirklich übenAtmung und Positionen kannst du nicht durch Zuschauen lernen. Zehn Minuten Vierfüßlerstand mit bewusster Ausatmung, zweimal die Woche, verändern mehr als drei weitere Videos.
- Fragen sammelnAlles, was der Kurs offen lässt, kommt auf eine Liste für die nächste Vorsorge oder das Gespräch in der Klinik. So wird aus dem Videokurs und deiner Hebamme ein Team.
Was du neben dem Kurs noch tun kannst
Ein Geburtsvorbereitungskurs online ist der Rahmen. Fünf Dinge, die gut hineinpassen und wenig Zeit kosten:
Dammmassage ab der 34. Woche. Regelmäßig, etwa fünf Minuten, mit einem geeigneten Öl. Sie macht das Gewebe geschmeidiger und dich mit einer Körperregion vertraut, über die vorher niemand mit dir gesprochen hat. Wie das genau geht, steht in meiner Anleitung zur Dammmassage.
In Bewegung bleiben. Spazieren, Schwimmen, Schwangerschaftsyoga. Nicht, um fit für die Geburt zu sein wie für einen Halbmarathon, sondern weil Beweglichkeit im Becken und ein Gefühl für den eigenen Atem unter der Geburt beides zählt. Mehr dazu in meinem Beitrag zu sanften Übungen für zuhause.
Die Klinik ansehen. Viele Häuser bieten Infoabende oder virtuelle Rundgänge an. Zu wissen, wo der Kreißsaal liegt und wie ein Gebärhocker in diesem Haus aussieht, senkt den Stresspegel am Tag X spürbar. Frag dabei auch, wie die Klinik zu Gebärpositionen, Dammschnitt und Bonding nach dem Kaiserschnitt steht.
Den Geburtsplan schreiben. Eine Seite reicht. Was ist dir wichtig, was möchtest du auf keinen Fall, wer entscheidet, wenn du es nicht kannst. Der Nutzen liegt weniger im Papier als im Denkprozess davor. Eine Vorlage findest du unter Geburtsplan erstellen.
Die Kliniktasche früh packen. Ab der 36. Woche steht sie fertig im Flur. Nicht weil es dann losgeht, sondern damit du in dem Moment, in dem es losgeht, an nichts mehr denken musst. Die vollständige Checkliste für die Kliniktasche hilft dabei.
Und danach? Die Rückbildung
Der Teil, an den in der Schwangerschaft niemand denken will, weil die Geburt so viel Platz einnimmt. Trotzdem lohnt es sich, jetzt schon zu wissen, was kommt: Sechs bis acht Wochen nach einer vaginalen Geburt beginnt normalerweise die Rückbildung, nach einem Kaiserschnitt eher acht bis zwölf Wochen. Vorher geht es nur um Wahrnehmung und Schonung, nicht um Training.
Der Grund, warum ich das hier erwähne: Viele Frauen kaufen ihren Geburtsvorbereitungskurs, erleben die Geburt, versinken im Wochenbett und melden sich für die Rückbildung dann irgendwann gar nicht mehr an, weil die Kurse voll sind und das Baby nicht mitspielt. Wer schon in der Schwangerschaft weiß, was danach ansteht, plant es eher ein. Wie das aussehen kann, steht in meinem Guide zum Rückbildungskurs online.
Was ein Online-Kurs nicht kann
Er tastet nicht, er hört nicht zu, und er erkennt keine Warnzeichen. Kein Video merkt, dass dein Blutdruck steigt, dass die Kindsbewegungen weniger werden oder dass hinter deiner Erschöpfung etwas anderes steckt als eine schlechte Nacht. Ein Kurs ersetzt deshalb weder die Vorsorge noch die Hebamme im Wochenbett.
Such dir eine Hebamme, so früh du kannst, auch wenn du online lernst. Und wenn du keine findest, was in vielen Regionen leider Realität ist: Frag in deiner Klinik nach der Hebammensprechstunde und beim Kinderarzt nach Nachsorgeangeboten. Es gibt mehr Wege, als die Absagen am Telefon vermuten lassen.
Häufige Fragen zum Geburtsvorbereitungskurs online
Ersetzt ein Geburtsvorbereitungskurs online einen Präsenzkurs?
Ab welcher Schwangerschaftswoche sollte ich anfangen?
Zahlt die Krankenkasse einen Online-Kurs?
Kann mein Partner mitmachen?
Wie lange habe ich Zugriff auf den Kurs?
Lohnt sich ein Kurs beim zweiten Kind?
Ich habe große Angst vor der Geburt. Hilft ein Kurs?
Was, wenn ich den Kurs nicht schaffe?
Dieser Beitrag ist sorgfältig recherchiert und ersetzt keine Betreuung durch Hebamme, Ärztin oder Arzt. Bei Blutungen, starken Schmerzen, Fieber, weniger Kindsbewegungen oder wenn dein Bauchgefühl Alarm schlägt: melde dich sofort in deiner Klinik.
